Donnerstag, 19. Mai 2011

Bus-, Busch- und andere Geschichten

Busfahren ist langweilig und öde. Nicht in Lusaka! Es ist immer wieder spannend und selbst Abenteurern- die sich in den tiefsten Urwald, zu den wildesten und gefährlichsten Tieren gewagt haben- zittern die Knie, wenn sie in Lusaka in einen Bus steigen. Man erkennt sie, die kleinen Busse an den markanten himmelblauen und weißen Farbe. Ich schätze, dass in der Innenstadt von Lusaka jeder fünfte Wagen ein Minibus ist. Ein "Schreier" versucht mögichst viele in den Bus zu "stopfen". Nachdem der Bus keinen Raum mehr zum atmen lässt, geht die Fahrt los. Die Strassen sind sehr hügelig, löcherig und schlecht. Der Fahrstil der Busfahrer erinnert mich immer wieder an japanische Kamikaze. Keine Lücke ist zu schmal, keine Ampel zu rot und kein Risiko zu groß. Da viele der Busse einen "christlichen" Radiosender laufen haben und einen christlich angehauchten Spruch, wie "Loving Jesus is not a crime" oder einen persönlichen pfinsgtlerischen Prediger im Bus haben, der sein Geld verdienen will, könnte das Ziel dieses risikoreichen Fahrstils sein: Menschen zum Nachdenken über Leben und Tod zu bringen. Die Busfahrten werden sehr schnell zu Gebetsstunden. Es geht ums blanke Überleben!
Diese Woche saß ich auf einer Bank im Bus, die während der Fahrt durchgebrochen ist. Dann haben wir diese erstmal provisorisch repariert. Letzte Woche bin ich mit dem Bus in die Stadt gefahren. Der Busfahrer hielt auf einmal mitten auf der Strasse an. Was war los? "Alle aussteigen!", sagte er. Ich fragte in einem sehr freundlich gewählten Ton, warum wir den aussteigen sollten, obwohl wir die Endstation noch nicht erreicht haben. Die einfach Antwort war: "Da ist die Polizei!" Das spricht schon mal für die gute Qualität des Busses:)

In der Stadt häufen sich viele Marktstände, enge Gänge, wild umher laufende Leute und Leute die Fleischstückchen grillen. Der aufsteigende Rauch erschwert die Sicht, mein Nase riecht altes Fleisch, Schweiß und Gerüche die ich nicht benennen kann. Es ist furchtbar laut und als Weißer wird man mal sehr freundlich (schreiend) gegrüsst, mal wird von mir Geld verlangt und mal versucht man mir Handys aus China anzudrehen. Wenn ich es geschafft habe einigermaßen wohlbehütet aus dem chaotischen Getue herauszukommen, beginnt auf den Strassen und Bürgerstegen das nächste Chaos.

In Lusaka gibt es das sog. "Kabwata Cultural Village". In diesem Dorf mitten in der Stadt leben einige Familien, wie im tiefen Busch in ihren kleinen Hütten. Sie fertigen verschiedene Gegenstände aus Holz und anderen Materialien und verkaufen sie. Es war wirklich interessant zu sehen, wie das traditionelle Dorfleben ist.



In ungefähr zwei Wochen werde ich für eine Woche in einer der Missionsstationen im tiefsten Busch arbeiten. In diesem Dorf gibt es kein fließend Wasser, keine Elektronik.
Morgen fahren wir für drei Tage zu einer anderen Missionsstation-nicht im tiefsten Busch, aber in einer Kleinstadt- um das Evangelium zu predigen und Menschen zur örtlichen Gemeinde einzuladen. Bitte betet dafür!




5 Kommentare:

  1. Hoffe du kommst heil durch dieses ganze Chaos ;)

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  2. ...So langsam fühle ich mich richtig wohl in dem Chaos hier. Außerdem kommt mir die Unpünktlichkeit der Afrikaner sehr entgegen...

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  3. Und ich reg mich schon auf, wenn ich im Bus stehen muss XD

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  4. Ich könnte Bücher über meine Erlebnisse im Bus schreiben:) Aber im Bus lerne ich geduldig zu sein. Es ist echt kurios, was so alles im Bus geschieht: Es gibt laute Diskussionen mit vielen Fahrgästen über die Dreieinigkeit; eine Frau aus dem Dorf stillt ihr Kind; der "Conducter" zählt sein Geld; Marktverkäuferinnen haben ganz viele alte Flaschen, große Säcke mit Maismehl, die Kreuz und quer im Bus verteilt sind...

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  5. total toll, das ist das pure Leben!

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